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Ein Beitrag von Adacor

Warum auch große Unternehmen verstärkt auf Open-Source-Software setzen sollten

Viele Unternehmen, die ADACOR Hosting eingeschlossen, nutzen immer häufiger Open-Source-Software für kritische Plattformen.

Thomas Wittbecker CEO der Adacor HostingViele Großkunden der ADACOR hegen jedoch immer noch deutliche Vorbehalte gegen quelloffene Software und bevorzugen nach wie vor kommerzielle Lösungen. Aus meiner Perspektive völlig unberechtigt.
Lesen Sie jetzt, welche Argumente für die Nutzung von Open-Source-Applikationen sprechen.

Vor einigen Wochen habe ich in einem Artikel der Zeit gelesen, dass die großen Player der Technikszene im letzten Jahr mehr Geld für Lizenzstreitigkeiten, Strafen und Gebühren ausgegeben haben als für Forschung und Entwicklung. Das ist mehr als bedauerlich, denn damit wird das Konzept der Patente, das eigentlich die Investitionen in Forschung und Entwicklung ankurbeln soll, ad absurdum geführt. Angesichts dieser Entwicklung kann es nur positiv bewertet werden, dass heutzutage immer mehr große IT- und Internetunternehmen in die Mitarbeit an Open-Source-Projekten investieren und ihre eigenen Entwicklungen als Open-Source-Lösungen zur Verfügung stellen. Darunter große Namen wie Google, IBM und Facebook. Der Grund dafür ist, dass zunehmend mehr Geld mit Services und Produkten verdient wird, die Softwarefunktionalitäten beinhalten, und immer weniger mit dem eigentlichen Software-Lizenzgeschäft. Bestes Beispiel dafür ist der Siegeszug von Android als Basis für verschiedenste mobile Geräte. Die Hersteller verdienen an den Devices, Google an seinen Diensten und Microsoft unbeabsichtigt (zumindest von Google) an alten Patenten, die (warum auch immer) für Teile von Android gelten. In vielen Bereichen hat Open-Source-Software schon den Siegeszug angetreten. Kaum ein Internetunternehmen betreibt seine Plattformen auf einem kommerziellen Betriebssystem, sondern meistens auf Linux. Android ist unangefochtener Marktführer bei Betriebssystemen auf mobilen Endgeräten. Firefox einer der beliebtesten Browser usw.

In meiner Videoreihe „Things-To-Say“ widme ich mich in Episode #3 den Vorteilen eines Einsatzes von Software auf Basis von Open Source für Unternehmen.

Unbestritten bleibt – auch wenn ich hier eine Lanze für den Einsatz von Open-Source bei Großunternehmen breche – es gibt jede Menge großartige kostenpflichtige Software! Gerade in Nischen ist das traditionelle Lizenzmodell gar nicht wegzudenken. Ebenso muss man erwähnen, dass nicht in jedem Fall die Open-Source-Variante günstiger oder besser als eine kommerzielle Lösung ist. Zumal in einer Total-Cost-of-Ownership-Betrachtung die reinen Lizenzkosten häufig nur eine untergeordnete Rolle spielen. Und so nutzen auch wir, die ADACOR Hosting GmbH, kommerzielle Software für eigene Projekte und sind von den Ergebnissen häufig begeistert. Aber es sprechen halt auch viele Argumente für eine verstärkte Nutzung von Open-Source-Lösungen in Unternehmen.

Unabhängigkeit – ein hohes Gut!

Ein grundlegender Vorteil von Open-Source-Software ist vor allem die Unabhängigkeit von einem kommerziellen Anbieter. Man führe sich nur ein paar typische Beispiele aus unserer Praxis vor Augen, bei denen die Abhängigkeit von einem bestimmten Hersteller wahrlich Nerven kosten kann:

  1. Lizenzierung von Oracle-Datenbanken auf verschiedenen Virtualisierungsplattformen: Wenn man Oracle-Datenbanken auf Nicht-Oracle-Virtualisierung betreiben möchte, wird die Lizenzierung überdimensional teuer. Damit wird versucht, die eigene Plattform regelrecht zu erzwingen.
  2. Bei Microsoft stellt sich die Situation auch nicht besser dar: Hier muss die gesamte Plattform unter der Virtualisierung lizenziert werden. Das ist z. B. bei einer VMware-Farm mit 20 Servern gar nicht darstellbar, wenn nur einige Windows VMs betrieben werden sollen.
  3. Wenn man wie wir für das eigene Geschäftsmodell kommerzielle Software einsetzt, ist es ein Problem, wenn der Softwarelieferant laufend sein Lizenzmodell und die Preise verändert. Was z. B. bei Microsoft und VMware der Fall ist.
  4. Fragen Sie mal den Einkäufer eines DAX-Konzerns was passiert, wenn eine günstig ausgehandelte Unternehmenslizenz, nachdem die Software im ganzen Unternehmen eingeführt wurde, bei einem amerikanischen Hersteller verlängert wird. Die Antwort wird Sie garantiert überraschen. Kleiner Tipp: Günstiger wird es nicht!
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Natürlich tauscht man diese vermeintliche Autonomie gegen die Abhängigkeit von der jeweiligen Open-Source-Entwicklergemeinde ein. Aber bei den größeren Projekten gibt es in der Regel eine große User Community, zu der auch viele Unternehmen gehören. Wenn man als Unternehmen also auch in die Weiterentwicklung von Open-Source-Projekten investiert, nimmt man auf diese Weise auch direkten Einfluss auf die entwickelten Lösungen. Ist eine Software für das absolute Kerngeschäft als Basis notwendig, besteht bei Open-Source-Software so die Möglichkeit, mit in die Weiterentwicklung einzusteigen und intern beliebig viel eigenes Know-how aufzubauen. Damit umgeht man eine komplette Eigenentwicklung und ist trotzdem unabhängig von anderen Anbietern. Für uns als Unternehmen ist diese Autonomie das Hauptargument, weshalb wir so viel Open-Source-Software einsetzen wie möglich.

Fliegende Ballons

Sicherheit und Datenschutz: Keine Software ist ohne Fehler

Natürlich bergen auch Open-Source-Produkte Risiken. Man erinnere sich nur an das SSL-Heart-Bleed-Desaster. Aber selbst bei solch einem katastrophalen Fehler waren die notwendigen Patches innerhalb kürzester Zeit nach dem Bekanntwerden des Problems verfügbar. Jeder, der sich die Zeit und Mühe machen wollte, konnte das Problem bis auf Code-Ebene nachvollziehen. Bei kommerziellen Unternehmen dauert es in der Regel erheblich länger, bis Probleme publik werden, auch wenn ein eingeweihter Kreis schon weiß, dass eine Sicherheitslücke besteht. Entsprechende Patches können dennoch Wochen und Monate auf sich warten lassen.

Da Open-Source-Software quelloffen ist, kann der Code von beliebig vielen Entwicklern kontrolliert werden. Das macht es schwer, Hintertüren für Geheimdienste oder andere einzubauen, wenn auch leider nicht unmöglich. In diesen Zusammenhang ist sicherlich der Umgang mit der PGP-Verschlüsselung (PGP steht für „Pretty Good Privacy“) aus den USA erwähnenswert. Die US-Regierung hat die Benutzung und den Export guter kryptographischer Technologien verboten. Dies betraf in der Vergangenheit auch PGP, denn die Verschlüsselung war nicht zu knacken und eine Backdoor gab es offensichtlich auch nicht.

Verfügbarkeiten und SLAs: Wo ist der Haken?

Die Verfügbarkeit von Plattformen ist in vielen Fällen für Unternehmen enorm wichtig. Aus diesem Grund werden häufig Gesamtlösungen von großen Herstellern mit SLAs eingekauft. Aber Vorsicht: Häufig handelt es sich nur um eine Scheinsicherheit. Die SLAs sind in der Regel bei großen Anbietern so abgefasst, dass der Kunde bei einem Bruch der SLAs nicht ansatzweise seine dadurch entstandenen Kosten decken kann. Wenn man das Pech hat, dass die Behebung eines Problems beim Hersteller immense Kosten produziert, lässt dieser den Kunden darüber hinaus nicht selten fallen. Wir haben diese Erfahrung in einigen Projekten mit großen internationalen Anbietern gemacht. Und glauben Sie mir: Es gibt nichts Frustrierenderes, als wenn wichtige Prozesse stillstehen und man nichts tun kann, außer auf eine Reaktion des Supports zu warten. Aus meiner Sicht und der unseres Unternehmens lohnt es sich deshalb, in Know-how statt in Lizenzen zu investieren und eine Open-Source-Softwarelösung zu betreiben, die man selbst im Griff hat und dementsprechend auch eigenhändig supporten kann. Oder man sucht sich alternativ einen Dienstleister, den man eng an sich binden kann und der über entsprechende Open-Source-Kenntnisse verfügt.

Fazit

Die Entscheidung für oder gegen den Einsatz von Open-Source-Lösungen in einem Unternehmen basiert – das wurde gezeigt – in der Regel weniger auf finanziellen als vielmehr auf strategischen Überlegungen. Dabei muss sicherlich jedes Unternehmen für sich beurteilen, welchen Stellenwert die Autonomie von kommerziellen Anbietern für es hat. Der sorgfältige Vergleich von Vor- und Nachteilen kommerzieller bzw. quelloffener Softwarelösungen lohnt in jedem Fall. Denn der ein oder andere Vorteil kommerzieller Software besteht – wie z. B. im Fall von SLAs – vielleicht nur auf dem Papier. Open-Source-Lösungen haben sich hingegen in der Praxis schon seit langem bewährt und sind nicht selten die bessere Wahl, wenn es um flexible und dynamisch wachsende Softwarelösungen geht. Kurzfristiger Support inklusive.

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