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Ein Beitrag von Filoo

Storage Migration: Wenn Daten umziehen müssen

Eine wesentliche Voraussetzung für den schnellen Zugriff auf Daten ist eine exakt konfigurierte, aktuelle Hard- und Software. Beim Hosting-Dienstleister Filoo brauchte ein entscheidender Teil davon eine Rundum-Erneuerung. Der Artikel beschreibt Vorgehen, Herausforderungen und Erfahrungen.
Ende vergangenen Jahres war es soweit: Das größte Storage-System des Hosting-Dienstleisters Filoo, in dem die Daten der verschiedenen Kunden und ihre Anwendungen gespeichert sind, war einfach zu alt: Trotz stetiger Erweiterungen, wurde es den Anforderungen der Kunden nicht mehr gerecht. So ließ beispielsweise die Zugriffsgeschwindigkeit auf die Daten zunehmend zu wünschen übrig. Außerdem hatten die Speichermedien (Racks) in den vergangenen Jahren immer mehr Raum im Rechenzentrum eingenommen und wiesen einen immer höheren Stromverbrauch auf. Zuletzt waren es zwei Racks, die 6.000 Watt verbrauchten. An einem komplett neuen Storage-System führte kein Weg vorbei.

Auswahl des Anbieters und des Storage-Systems

Die zu Projektbeginn durchgeführte Marktanalyse zu aktuellen Systeme und Anbietern von Storage-Systemen ergab, dass die preislich besonders attraktiven Angebote die technischen Anforderungen oft nur bedingt erfüllten. Bei den Herstellern, deren Systeme in die engere Auswahl kamen, wurden Testsysteme bestellt.
Nachdem eingehend geprüft wurde, blieb Filoo beim aktuellen Anbieter: NetApp. Das alte Net-App-System (NetApp 3240) wurde schließlich durch ein neues (All-Flash-Filer AFF 200)abgelöst. Alle Konkurrenzprodukte waren zwar preislich ähnlich, enthielten aber außer den rein elektronischen Festplatten (Solid-State-Drives, SSDs)- auch magnetisch arbeitende(Hard Disk Drive, HDD). Die Zugriffsgeschwindigkeit solcher gemischten Systeme ist immer geringer als die von reinen SSD-Systemen.

Schneller, kleiner, sparsamer

Nach erfolgreichem Austausch nimmt das neue Storage-System im Vergleich zu der alten Lösung mit sechs Höheneinheiten nur ein Sechzehntel des Platzes ein und verbraucht mit 930 Watt nur noch ein Sechstel des Stroms. Es werden ausschließlich Solid-State-Drives (SSDs)verwendet. Die auf Halbleitertechnik basierenden Speichermedien ermöglichen wesentlich höhere Bandbreiten und geringere Zugriffszeiten. Außerdem stehen neue Funktionen zur Verfügung, wie beispielsweise die Deduplizierung (eine Methode zum Verringern der nötigen Speicherkapazität) sowie eine betriebssystemunabhängige Administrationsoberfläche. Das neue Storage-System ist so aufgesetzt, dass es problemlos ohne Ausfälle auf zwei Petabyte erweiterbar ist: Filoo verfügt damit über ein modernes und zukunftsfähiges System, das Platz und Strom einspart. Nachdem das neue System im Rechenzentrum stand, begann die Migration der Daten vom alten auf das neue System.

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Kopieren im Live-Betrieb nur bedingt möglich

Ziel war es, die Daten möglichst komplett ohne Ausfälle für die Kunden im Live-Betrieb vom alten auf das neue Storage-System zu kopieren. Das ist technisch möglich, setzt allerdings voraus, dass die Betriebssystemversionen auf beiden Storage-Systemen miteinander kompatibel sind. Das war bei Filoo nicht der Fall. Das Kopieren der kompletten Daten im Live-Betrieb war damit nicht möglich.
Ein großer Teil der Daten konnte zwar über die Virtualisierungssoftware VMware zwischen den beiden Storages transferiert werden. Entsprechende Lizenzen lagen vor. Es blieb allerdings ein Teil, bei dem auch das nicht möglich war: der „Shared Storage“. Bezeichnet wird damit ein Festspeicher, auf den mehrere Nutzer – gegebenenfalls gleichzeitig – zugreifen können. Eine solche gemeinsame Datenablage wird gern beim Betrieb mehrerer Webserver genutzt.

Migration des Shared Storage

Um den Shared Storage vollständig zu migrieren, ist es technisch notwendig, die Server abzuschalten. Es war die einzige Möglichkeit, die Konsistenz aller Daten nach der Übertragung auf das neue System gewährleistet werden konnte. Zeitpunkt und Vorgehen mussten mit den Kunden, deren Daten das betraf, abgestimmt werden. Ein Teil der Daten konnte bereits während vorbereitender Maßnahmen transferiert werden. Für den Transfer während der Abschaltung blieben in der Regel nur wenige Gigabyte, sodass die Dienste schnell wieder hochgefahren werden konnten.
Überraschend zeitaufwendig war dagegen das Projektmanagement für die Migration des Shared Storage. Filoo hatte zu Projektbeginn alle Kunden schriftlich über den bevorstehenden Transfer informiert. Dabei blieb es den Kunden weitestgehend frei gestellt, wann sie die Abschaltung durchführen wollten. Gleichzeitig wurde darum gebeten, einen Ansprechpartner anzugeben, der sich um die zu migrierenden Daten kümmert.
Bei den meisten Kunden lief das problemlos. In einigen Fällen stellte es sich jedoch als unvorhergesehen schwierig heraus, die richtigen Ansprechpartner zu finden und mit ihnen Kontakt aufzunehmen. In Einzelfällen half letztendlich nur noch ein Einschreiben mit der Information, wann das alte System abgeschaltet wird. Dazu kam es allerdings in keinem Fall.

Aus der Erfahrung bei der Storage Migration lernen

Im Laufe des Migrations-Projektes haben sich ein paar Punkte herausgestellt, die bei der Migration von Daten generell besonders wichtig sind. Von grundlegender Bedeutung ist immer ein guter Kontakt zwischen denjenigen, die die Hardware betreuen (Hosting-Dienstleister oder interne IT), und denjenigen, die für die darauf laufenden Anwendungen verantwortlich sind(Fachabteilungen oder Kunden). Darüber hinaus empfiehlt es sich, die folgenden Themen zu bedenken:

Auf vollständige Dokumentationen achten: Hier sind vor allem die für die Applikationsverantwortlichen angesprochen. Dokumentationen sind in der IT gängig und umfassen Angaben zum Ansprechpartner, zu den Servern, auf denen die einzelnen Applikationen laufen und wie sie miteinander zusammenhängen. Da beispielsweise im Shared Storage Kunden eigenständig ihre Daten ablegen, kennt der Hosting-Dienstleister zwar bedingt die Infrastruktur des Kunden einschließlich der Server und Verbindungen, hat jedoch keine Kenntnis vom logischen Aufbau der Applikationen. Dieses Wissen ist vor allem für Migrationen grundlegend wichtig. Andernfalls besteht die Gefahr, dass Daten unwissentlich unwiederbringlich verloren gehen könnten.
Es stellte sich im Projektverlauf heraus, dass Dokumentationen teilweise nicht vorhanden waren. In einigen Fällen hatten sich die Zuständigkeiten geändert. Die Anwendungen liefen, allerdings wusste niemand, was eine Migration für Konsequenzen haben könnte. In den meisten Fällen konnte letztendlich ein Ansprechpartner gefunden werden, sodass der Hosting-Dienstleister nach einer entsprechenden Beauftragung sich schnell und unkompliziert einen Überblick verschaffen und die Daten übertragen konnte.
Service Level in die Entscheidung einbeziehen: Im Rahmen der Entscheidung für einen Hardware-Anbieter, empfiehlt es sich, auch dessen Serviceleistungen (Service Level) zu prüfen. Wie werden beispielsweise Ersatzteile geliefert? Was kostet die Serviceverlängerung? Gängig ist eine Servicegarantie von mindestens einem Jahr. In dieser Zeit wird defekte Hardware unkompliziert und zügig von einem Techniker ausgetauscht. Außerdem sind Softwareupdates und Support kostenfrei gewährleistet. Oft ist eine Verlängerung der Supportzeit nach Vertragsende (Anschlussverlängerung) sehr viel teurer, als beim Kauf direkt eine längere Supportzeit zu vereinbaren. Zu beachten ist darüber hinaus, wo die Supportmitarbeiter sitzen, in welcher Sprache kommuniziert wird und welche Reaktionszeiten im Support-Fall gewährleistet werden.
Einsparpotenzial nicht unterschätzen: Eine Migration verursacht zwar Kosten, gleichzeitig können Einsparungen in signifikanter Höhe realisiert werden. Durch die mit der neuen Hardware mögliche Deduplizierung (das System identifiziert identische Datenblöcke und speichert diese nur einmal ab) und Komprimierung (das System speichert Daten intelligent ab) konnte unter anderem fast die Menge der physikalisch abzulegenden Daten halbiert werden. Hersteller geben bis zur vierfachen Einsparmenge an.

Fazit

Um einen zuverlässig schnellen Zugriff auf Daten zu gewährleisten, empfiehlt es sich, die entsprechende Hard- und Software von Zeit zu Zeit zu überprüfen und gegebenenfalls zu ersetzen. Aufgrund neuer Technologien können somit signifikant Kosten und physischer Speicherplatz (Rackspace) eingespart werden. Die mit dem Auswechseln der Systeme einhergehende Datenmigration setzt die Abstimmung mit den internen oder externen Kunden sowie entsprechende Dokumentationen über die abgelegten Daten und Anwendungen voraus. Beides hat sich bei der Storage Migration von Filoo als besondere Herausforderung dargestellt.

Co-Autor: Florian Lenzen

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