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Was macht Cloud-Dienste sexy?

Zuletzt aktualisiert am 18. November 2020

 

Die reflexartige Antwort auf diese Frage ist meist mit dem Thema “Kostenersparnis“ verbunden. Das Reflexe nicht immer die optimale Reaktion auf äußere Reize sind, bewahrheitet sich auch hier. Woher kommt die impulsartige Assoziation Kostenersparnis im Kontext Cloud? Dazu gehen wir ein paar Schritte zurück, in der noch jungen Cloud-Historie.

Viele Cloud-Dienste, gerade im Bereich IaaS, haben sich aus dem Themenkomplex Virtualisierung entwickelt. Das Thema Virtualisierung wurde davor seit langer Zeit in der Unternehmens-IT eingesetzt. Der Virtualisierung eigen ist die Portionierung von Ressourcen zur bedarfsabhängigen Bereitstellung, abseits von klassischen Konfektionsgrößen. So konnte nicht mehr nur ein Hardware-Server für eine Anwendung fungieren, sondern dank Virtualisierung konnte dieser bedarfsgerechte Portionen virtueller Server bereitstellen und mehreren Applikationen eine Betriebsbasis geben. Als diese Technologie im Kontext IaaS als Service-Angebot am Markt populär werden sollte, mussten Differenzierungsmerkmale geschaffen werden. Eines dieser Merkmale war die Dynamisierung der Ressourcen von virtuellen (Cloud)-Server-Systemen. Parameter wie Speicher, Rechenkapazität oder Datenablage konnten in der noch jungen Cloud dynamisch zur Laufzeit ohne Betriebsunterbrechung skalieren. Technologisch war dies eine kleine Revolution und nun kamen die Marketing-Spezialisten ins Spiel.

Der Appetit bestimmt die Kosten

Pay-as-you-use wurde anfangs zum herausragenden Cloud-Merkmal erhoben. Kunden bezahlen genau für die Leistungen, welche sie wirklich nutzen. Eine nur verständliche Interpretation ist, dass der eigenen Anwendung gefühlt immer mehr Ressourcen zur Verfügung stehen, als sie wirklich nutzt. Daher kann es nur günstiger werden. Diese Vorstellung ist naheliegend, aber wie erfolgt die Steuerung der Ressourcen-Nutzung? Hier kommen wir zum Pudels Kern. Für die Steuerung der Ressourcen-Nutzung ist der Kunde verantwortlich. Diese Steuerung ist keine Standard-Cloud-Funktion und es ergeben sich oftmals keine Kostenersparnisse, wenn Applikationen 1:1 in die Cloud überführt werden.

Ein einfaches Beispiel: Eine Applikation benötigt auf einem Server-System 4 CPU Kerne, 8 GB RAM und 100 GB Festplattenkapazität. Der Preis berechnet sich aus den einzelnen Komponenten (CPU, RAM und Festplattenkapazität) multipliziert mit den jeweiligen Einzelpreisen und erneut multipliziert mit der Nutzungsdauer. Dieses einfache Beispiel zeigt, verändert sich keiner der Parameter, verändert sich nicht der Gesamtbetrag. Der Umkehrschluss bedeutet, es müssen Mittel und Wege hinzugefügt werden, diese Parameter zu beeinflussen. Idealerweise erfolgt diese Beeinflussung in Abhängigkeit von den Bedürfnissen aus Business-Sicht. Ich gebe zu, dieses Beispiel ist sehr einfach gehalten, verdeutlicht werden soll der grundsätzliche Mechanismus. In der Realität haben Cloud-Anbieter deutlich mehr Parameter entwickelt, anhand derer sich die Gesamtkosten berechnen, die Systematik ist hierbei identisch.

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Schöne neue Welt

Cloud-Dienstleister haben ihre Angebote weiterentwickelt. Konsumabhängige Vergütung ist immer noch ein vorteilhafter und wesentlicher Aspekt der Cloud-Technologie, allerdings spannen sich die Facetten weiterer positiver Merkmale ständig breiter auf.

Hier ein paar Beispiele:

  • Schnelle Verfügbarkeit: Cloud-Ressourcen sind schneller verfügbar als typische IT-Abteilungen von Unternehmen diese bereitstellen können.
  • Spezifische Funktionalitäten: Zunehmend bereichern spezifische Funktionen wie künstliche Intelligenz (KI), Internet of Things (IOT) oder Business Intelligence (BI) das Cloud-Angebot. Sie sprechen konzentrierte Herausforderungen an, die bisher typischerweise On-Premises gelöst wurden und sich auf diesem Weg zu Standards weiterentwickeln.
  • PaaS-Angebote: Neben Infrastruktur und Spezialanwendungen verbreitert sich ständig das Angebot ganzer Plattformangebote wie Microsoft Office 365 oder SAP®.

Diese drei Beispiele stellen einen Auszug von Cloud-Merkmalen dar, welche in Entscheidungsprozesse mit einbezogen werden.

Back to the roots – Kosten sparen

Eine bittere Wahrheit bleibt: Ist eine Applikation nicht auf den Betrieb in der Cloud angepasst, ergeben sich kaum Kostenvorteile. Die Kosten können sogar noch höher werden. Wie kann das sein? Für die spontane Skalierung von Ressourcen müssen selbige vom Cloud-Anbieter vorgehalten werden. Hierfür sind Investitionen erforderlich, welche auf die Kunden im Rahmen der Kostenparameter umgelegt werden. Der Pay-as-you-use Vorteil kann nur dann voll genutzt werden, wenn die Applikation mit der Steuerung der Cloud verknüpft ist. Das bedeutet die Software-Architektur muss bestimmte Anforderungen erfüllen und über Trigger auf die Infrastruktur einwirken können. Das führt zwangsläufig zum Thema Autoscaling, DevOps und Cloud-Native-Applikationen.

Fazit: Die richtigen Ziele machen Cloud-Dienste sexy

Durch Nutzung von Cloud-Ressourcen Kosten zu sparen sollte nicht das einzige Ziel sein, beim Einsatz von Cloud. Wenn doch, muss die Applikation oder der Service auf die Vorteile von Cloud-Technologie vorbereitet sein. Abseits der Kosten sprechen viele Aspekte für eine Cloud-Nutzung. Der optimale Cloud Einsatz braucht eine strategische Betrachtung: Ziele festlegen, Möglichkeiten Analysieren, Szenarien identifizieren, Ziele festlegen, verproben und Zielerreichung überprüfen.

Danach das Ganze von vorne, denn nur ein Kreislauf führt zu optimaler Weiterentwicklung – und die Cloud wird sexy.

Dieser Beitrag ist vorab bereits in der Computerwoche erschienen.

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