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Ein Beitrag von Adacor

Welche Verfügbarkeit braucht mein Web-Projekt?

Bei der Frage nach der Verfügbarkeit kommt es immer darauf an, um welche Kategorie von Web-Projekten es sich handelt. Online-Shops oder Online-Premium-Services benötigen zum Beispiel eine höhere Verfügbarkeit als eine einfache Webpräsenz mit Informationscharakter.

Projektanforderungen für Webprojekte exakt definieren

Wir stellen bei den gängigen Anfragen an unser Sales-Team immer wieder fest, dass es für Unternehmen in der Praxis gar nicht so einfach ist, die genaue Verfügbarkeit für ihr Projekt und/oder der damit verbundenen Plattform zu bestimmen. Zwar wissen sie in der Regel recht gut, was sie wollen; ob das aber auch das ist, was das Projekt wirtschaftlich voranbringt, ist eine andere Frage. So lesen wir in Ausschreibungen im Nebensatz häufig Anforderungen wie „Absicherung gegen Katastrophenfall nötig“ oder „Beschreiben Sie Ihr K-Fall Szenario“. Letzteres können wir aufgrund unserer ausführlichen Dokumentation und der damit einher gehenden Maßnahmen gut beschreiben. Für den ersten Punkt ist das schwieriger: Zum Glück erledigt sich dieser in 99 % der Fälle nach einigen Gesprächen. In diesen versuchen wir die Anforderung, die Bedeutung der Anfrage sowie die damit verbundenen Kosten im Betrieb und häufig auch in der Anwendungsentwicklung näher zu spezifizieren. Wenn klar wird, dass in der Ausschreibung nicht das gemeint ist, was angefragt wurde und das auf ein echtes Katastrophen-Szenario angepasste Angebot 300 % von dem beinhalten würde, dann gehen wir proaktiv auf den Kunden zu und stehen ihm beratend zur Seite. Unser Ziel ist es dann, aus seinen konkreten Anforderungen heraus ein passendes Angebot zu erstellen.

Technische Konzeption sollte Verfügbarkeit beinhalten

Wenn wir den Wünschen eines Großteils unserer potenziellen Neukunden nachkommen würden, dann wären die Konzeption einer Plattform mit einer Verfügbarkeit von 100 %, die Reaktion des technischen Personals innerhalb von fünf Minuten nach Meldungseingang sowie die sichere Verteilung der betriebenen Systeme auf drei Kontinente im Standardportfolio inbegriffen. Aussagen wie „Einen Ausfall darf es niemals geben, Sie sind doch in der Cloud. Die ist doch immer und überall redundant.“ sind deshalb keine Seltenheit. So einfach ist das in der Realität jedoch nicht. Noch nicht. Auch in der „Cloud“ werden meist einzelne Systeme gebucht und zu einem Gesamtsystem zusammengestellt. Diese Zusammenstellung ist abhängig von unterschiedlichen Faktoren wie der eingesetzten Software, der benötigten Plattform-Services sowie der Verfügbarkeit. Letztere kann man in der technischen Konzeption mithilfe verschiedener Mechanismen erreichen. Allerdings gibt es dafür keine Reihe von Knöpfen mit der Beschriftung „verfügbar“, „höher verfügbar“ oder „fällt niemals aus“. Vielmehr muss man die Verfügbarkeit technisch konzipieren. Der Trend geht zwar weiter in die Richtung von definierten Services, die diese Themen quasi schon intransparent lösen und dem Kunden ein abstrahiertes Verständnis für die Verfügbarkeit des Dienstes geben; oftmals und gerade in sehr individuellen Projektsituationen und speziell entwickelten Systemen ist das nicht so einfach möglich.

So kalkulieren Sie die erforderliche Verfügbarkeit

Zurück zu dem Wunsch der Kunden 100 % Verfügbarkeit zu erhalten. Auch wenn es generell keine vollkommende Verfügbarkeit gibt, tun wir selbstverständlich unser bestes, um möglichst nahe an diesen Wert heranzukommen. Allerdings ist es stets unser Anspruch, unsere Kunden mit der bestmöglichen IT-Lösung für ihre Projekte oder Plattformen zu versorgen. Und bei der damit verbundenen Beratung kann sich auch herausstellen, dass eine Hochverfügbarkeitslösung gar nicht notwendig ist, wie ich in meinem Beitrag zu alternativen Wegen zur Hochverfügbarkeit beschrieben habe. Deshalb raten wir Unternehmen zur Beantwortung eines Fragenkatalogs, der hilft, der Höhe der Verfügbarkeit näherzukommen. Die Antworten dazu erarbeiten wir meistens im gemeinsamen Austausch mit den Kunden.

Fragenkatalog zur Bestimmung der erforderlichen Verfügbarkeit

  • Worauf soll sich die Verfügbarkeit beziehen (auf das gesamte System, Teile davon, einzelne Applikationen)?
  • Wie hoch darf die maximale Ausfallzeit sein, bis ein Schaden entsteht?
  • Welche Schadensformen muss ich unterscheiden (geldwerter oder immaterieller Schaden)?
  • Wie lässt sich ein Schaden am besten kalkulieren (Methodeneinsatz)?
  • Wie hoch wäre der Gesamtschaden?
  • Was würde demgegenüber der Betrieb in den verschiedenen Verfügbarkeitsklassen kosten?
  • Wie lassen sich die ermittelten Werte vergleichen? (Welchen Spielraum plane ich ein?)
  • Welche Daten werden im Rahmen des Projekts gespeichert?
  • Kann ich mit einem gewissen Datenverlust leben?
  • Wie hoch dürfen solche Verluste sein?
  • Welche Abhängigkeiten existieren für die Verfügbarkeit des Systems außerhalb des eigentlichen Betriebs? (Gibt es Agenturen oder Softwarehersteller, die ich in die Pflicht nehmen muss?)

Man sollte genau kalkulieren, was der tatsächliche Ausfall eines Services kosten würde. Demgegenüber steht der Wert, der sich für eine Ausfallsicherung ergibt. Diese Kalkulationsgrößen sind nicht einfach festzulegen, da indirekte Schäden (zum Beispiel ein Image-Schaden), die durch einen Systemausfall entstehen können, sich monetär erst später bemerkbar machen. Um die Kosten des Betriebs gegenüberzustellen, ist es trotzdem wichtig, eine Schätzsumme zu definieren und auf den Ausfall einer Stunde, eines Tages oder mehrerer Tage herunterzubrechen.

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In unserem Kundenportfolio verfügen wir über die komplette Bandbreite: Es gibt große Online-Shops, die mehrere tausend Euro Umsatz am Tag über das bei uns gehostete System erzielen, Intranet-Systeme, die sicherstellen, dass Mitarbeiter arbeiten können sowie reine Informationssysteme und Kampagnen. Alle diese Systeme würden bei einem Ausfall verschiedene Verfügbarkeiten benötigen und kosten damit im Betrieb und der Betreuung unterschiedlich viel Geld.

Katastrophenfall ist im Zweifel „Höhere Gewalt“

Bei der Definition des Worts „Katastrophe“ aus dem eingangs beschriebenen K-Fall und der Beschreibung der damit verbunden Konsequenzen außerhalb der eigenen IT-Infrastruktur wird klar, dass es bei so einem Sicherungsfall potenziell wichtigere Themen gibt, als sich mit dem eigenen Online-Shop auseinanderzusetzen. Auch wenn dieser noch so viel Umsatz produziert. Denn versicherungstechnisch befinden wir uns im Bereich der „höheren Gewalt“. Damit gibt es vertraglich eine Vielzahl an Definitionen, die ausschließen, dass ein IT-Provider bei solch einem Szenario in die Pflicht genommen werden kann. Möchte man den K-Fall tatsächlich absichern, weil das betriebene System in jedem Fall verfügbar bleiben muss, dann ist bereits im Vorfeld eine ausreichende Planung notwendig. Diese sollte den Betrieb beschreiben, der die maßgeblichen Kosten produzieren wird sowie einige Themen im Rahmen der Verantwortung (Alarmierungsplan, K-Fall-Organisation und -Zuständigkeiten), der Verfügbarkeit (Wiederanlaufpläne der wichtigen Geschäftsprozesse, Übergangsrechenzentren) sowie regelmäßige Tests (auch Blackbuilding) ausreichend definieren. Wenn ein Unternehmen den K-Fall nur deshalb in die Ausschreibung setzt, weil Unsicherheit besteht oder man ein hochverfügbares System betreiben will, dann helfen die oben definierten Fragen weiter, um die tatsächlich benötigte Verfügbarkeit zu ermitteln.

Fazit

Bei allem was uns die Cloud-Welt versprechen mag: Sobald man Basis-Ressourcen aus der Cloud bucht und nutzt, wird einem die Planung von Reaktionen auf Eventualitäten eines Ausfalls oder der „Nicht-Verfügbarkeit“ selten vollautomatisch abgenommen. Diese müssen im Bereich der Geschäftsprozesse eines Unternehmens definiert werden und im gesamten Prozess der Nutzung von Cloud-Ressourcen oder As-a-Service-Diensten eingearbeitet werden.
Bei letzteren werden dem Benutzer bereits viele dieser Überlegungen abgenommen, und die technische Konzeption des Dienstes beinhaltet die oben genannten Punkte teilweise. Allerdings sind diese Service-Angebote meist auch nur ein Teil eines Gesamtverbunds an Systemen, die zur Abarbeitung der Geschäftsprozesse nötig sind.
Man merkt immer mehr, dass die ausreichende Planung von einem IT-System oder dem Verbund an Systemen, trotz der existierenden Vielfalt an hochverfügbaren Services und Systemen, nicht vernachlässigt werden darf, und dass ausreichend technische und organisatorische Kompetenzen benötigt werden, um mit dem Kunden und anderen Stakeholdern passende Lösungen zum Betrieb der Plattformen zu erarbeiten.

Welche Fallstricke beim prozentualen Ausweis von Verfügbarkeiten bei Projekten und Plattformen sonst noch lauern können, hat unser CEO Thomas Wittbecker in seinem Videoblog „Things to Say“ zusammengefasst:

 

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